Konzept

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
(aus dem Talmud)

MERKMALE EINER GUTEN BERATUNG

Beratung ist eine ko-kreative Geschichte. Am Beginn werden die Erwartungen geklärt. Es werden gute Rahmenbedingungen für die Beratung geschaffen. Dazu gehört: eine angenehme Atmosphäre, Sicherheit, Vertrauen, Wertschätzung und Respekt, Orientierung an den Fragen der Ratsuchenden, guter Umgang mit sich selbst und miteinander.

Es werden die dringlichsten Fragen zuerst angegangen. Es herrscht Rollenbewusstsein: Wer spricht gerade aus welcher Rolle heraus? Es wird auf die Grenzen der Zuständigkeit und der eigenen Kompetenz geachtet.

Das Ziel

Die ratsuchende Person sieht nach der Beratung zusätzliche Aspekte und Möglichkeiten oder kann die Situation neu bewerten.

Zur Überprüfung folgende Fragen

Hat sich das Ziel verändert?
Sind neue Ziele dazu gekommen?
Hat sich der Weg verändert?
Hat die ratsuchende Person neue bzw. ausreichend Ressourcen im „Rucksack“ für den Weg?
Wie weit sind wir auf diesem Weg?

ARGUMENTE FÜR DIE "HILFE ZUR SELBSTHILFE"

Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe heißt, dass der Einzelne all das, was er bzw. sie selbst tun kann, auch selbst erledigen darf und soll. Erst wenn die ratsuchende Person überfordert ist, greift der/die Berater/in unterstützend ein - stets jedoch im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe, nicht in der Bevormundung und Entmündigung. Beratung soll zur selbstständigen Problembewältigung befähigen.Ich sehe die ratsuchende Person als autonom und handlungsfähig - wir sind ja nicht im therapeutischen Kontext!

Ratsuchende sind Expertinnen und Experten für ihre Lebenszusammenhänge. Durch die Übernahme der Verantwortung für Entscheidungen und Handlungen findet eine höhere Identifikation mit den Entscheidungen statt. Es gilt, die vorhandenen menschlichen Fähigkeiten, Ideen und Problemlösungsstrategien der Ratsuchenden zum Einsatz zu bringen.

Ein Beratungsgespräch hilft den Ratsuchenden, Problemlagen anders zu sehen, sie anders zu gewichten und neu zu strukturieren. Die Welt ist ein Kontinuum mit unbegrenzten Interpretationsmöglichkeiten. Jedes Gespräch führt zu einer Neubewertung von Problemlagen und Problemzusammenhängen. Für jedes Gespräch und die damit einhergehende Konstruktion von Wirklichkeit sind die Gesprächsteilnehmer/innen selbst verantwortlich.

DIE DYNAMIK IN DER PERSON DES RATSUCHENDEN

Grundsätzlich kann man in Beratungssituationen die Dynamik der „inneren Teile“ einer Persönlichkeit erarbeiten. Schulz von Thun spricht zum Beispiel vom so genannten „inneren Team“. Damit ist gemeint, dass es „in einer Person“ unterschiedliche innere Strebungen gibt, die miteinander in Konflikt stehen können. Professionelle Beratung bzw. Coaching befasst sich mit innerseelischen Repräsentanzen, da sonst eine falsche Fokusbildung das Resultat sein könnte.

Daraus ergibt sich folgende Frage für die Beratung:Wer (in der ratsuchenden Person) definiert hier das Problem und wer ist mit dem Ergebnis der Beratung zufrieden/nicht zufrieden?Beim Durcharbeiten solcher inneren Konfliktlagen ist auf die Grenze zwischen Beratung, Coaching und Therapie zu achten.

SYSTEMISCH-KONSTRUKTIVISTISCHE GRUNDANNAHMEN

Beobachtung ist eine Konstruktion des Beobachters/der Beobachterin. Beobachter/innen machen sich nicht etwa ein Bild von der Welt, die eigenen Beschreibungs-, Bewertungs- und Erklärungsmuster schaffen „eine Welt von einem Bild“ .

Die Aufgabe in der Beratung besteht darin, Formen des Dialogs zu finden, bei denen sich Ratsuchende eingeladen fühlen, für ihre Erzählungen neue Sinnkonstruktionen zu finden und darüber hinaus ein emotionales Klima zu fördern, das die Entwicklung veränderter Ideen und neuer Handlungsoptionen ermöglicht. Der Wechsel der Beobachtungsebenen kann helfen zu erkennen, dass Erwartungshaltungen, Normen, Werte, etc. unterschiedlich sind. Wir haben die Möglichkeit Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu nutzen. Erst durch den Kontakt mit dem „Fremden“ werden die eigenen Selbstverständlichkeiten sichtbar. Wahrgenommene Gemeinsamkeiten sind Korridore für Anschlussmöglichkeiten

Systemische Denk- und Handlungskonzepte berücksichtigen den Menschen in seiner Vernetztheit mit seinen sozialen Beziehungen und gehen davon aus, dass Menschen alle notwendigen Ressourcen bereits in sich tragen. Außerdem entsteht Veränderungsbereitschaft meist nicht, wie irrtümlich oft angenommen wird, durch hohen Leidensdruck, sondern durch die Entwicklung positiver Zielvisionen.

Zum Abschluss: Die Geschichte vom systemischen Bauern

Es war einmal ein Bauer in einem kleinen Dorf in Asien. Er hatte ein Pferd und alle Leute im Dorf sagten: „Du hast es aber gut“. Und der Bauer antwortete: „Vielleicht.“Ein paar Tage später verschwand das Pferd. Es war weggelaufen in den nahen Wald und nicht zurückgekehrt. Wiederum kamen alle Leute des Dorfes zusammen und riefen: „Ach welches Unglück für Dich!“ und der Bauer antwortete: „Vielleicht.“

Wieder ein paar Tage darauf kam das Pferd zurück und brachte ein Fohlen mit, denn es war in den Wald gegangen, um es zur Welt zu bringen. Wiederum kamen alle Leute des Dorfes zusammen und riefen: „Ach welches Glück für Dich, jetzt hast Du sogar zwei Pferde, Dir geht es gut!“ und der Bauer antwortete: „Vielleicht.“

Einige Wochen später brach sich der einzige Sohn des Bauern bei der Feldarbeit ein Bein und musste nun zu Hause das Bett hüten. So musste der Bauer seine Felder allein bestellen. Wiederum kamen alle Leute des Dorfes zusammen und riefen: „Ach welches Unglück für Dich!“ und der Bauer antwortete: „Vielleicht.“

Nun wollte aber der König des Landes Krieg führen und zog alle jungen Männer zum Wehrdienst ein. Der Sohn des Bauern konnte zu Hause bleiben, da er nicht laufen konnte mit dem gebrochen Bein. Wiederum kamen alle Leute des Dorfes zusammen und riefen: „Ach welches Glück für Dich. Dein Sohn ist sicher zu Hause!“ und der Bauer antwortete: „Vielleicht.“ Und so könnte die Geschichte immer weiter gehen...

(Verfasser unbekannt)